Spieglein, Spieglein an der Wand, welche Ideologie ist die beste in der ganzen Welt?

Aktualisiert: 15. Sept. 2021

Zeigt uns der Coronavirus, welche Staatsideologie für die Eindämmung der Pandemie am besten geeignet ist oder ist das nur eine Illusion?


Seit über einem Jahr nun begleitet die Corona-Pandemie unser Leben und greift in unseren Alltag stark ein. Es gibt sogar Menschen, die sagen, später reden wir nur noch von Zeiten vor Corona und nach Corona. Vielleicht wird es sogar in 100 Jahren in Geschichte die Epoche ''Corona'' geben, wer weiß. Alles ist möglich.

Aber ist denn die Eindämmung dieses Viruses überhaupt möglich und wenn ja, wie?

Nun es gibt viele Zungen, die behaupten, Corona zu managen ist eine Sache der Ideologie. Denn umso autoritärer der Staat sei, desto besser sei auch die Eindämmung. Als Beispiel nimmt man dann gerne China. Aber ist dass den wirklich so? Ist die Eindämmung der Pandemie in einer Diktatur besser als in einer Demokratie, weil in einer Demokratie zu viel diskutiert und beraten wird, während in einer Diktatur einer die Entscheidung fällt.


Zur Beantwortung dieser Frage, müssen wir uns anschauen, was die Staaten überhaupt an Maßnahmen ergriffen haben, um den Ausbruch des Viruses einzudämmen.

 
China als Diktatur

China ist im Gegensatz zu Europa ein kollektives Land, in der das Wohl der Gesellschaft dem Individuum vorgeht. Dies zeigten auch die Corona-Maßnahmen in China im Jahre 2020. Denn diese Diktatur hat mit Abstand den härtesten Lockdown vollzogen. Als am 31.12.2019 China den ersten Fall der Weltgesundheitsorganisation WHO meldete, wusste China zu dem Zeitpunkt natürlich nicht, dass es sich hierbei um Corona handelte. China schrieb nur, dass eine unbekannte Lungeninfektion in Wuhan am Umlauf ist. Erst am 09. Januar meldete es der WHO zusammen mit dem ersten Todesfall, dass es sich um Corona handelt.

Danach ging es in China sehr schnell zu. Alle Menschen in Wuhan durften nicht mehr die Stadt verlassen und wurden von den Sicherheitsbehörden zu Hause abgeriegelt mit Nagel und Brett. Die Kontrollen der chinesischen Regierung waren ohne Rücksicht und sehr streng.

Es wurden auch die Corona-Testkapazitäten im Frühjahr März/April 2020 ausgeweitet. Pro 1 Mio. Einwohnern wurde ein urbanes Testzentrum errichtet, sodass bei einem örtlichen Ausbruch bis zu 30.000 Personen Tests durchgeführt werden konnte. Masken waren bei den Chinesen und Chinesinnen etwas selbstverständliches. Sie trugen es auch schon vor Corona aufgrund des Wetters oder zum Schutz allgemein. China war auch im Gegensatz zu Deutschland viel digitalisierter und konnte so die Kontakte der Infizierten durch Tracking zurückverfolgen und testen bzw. in Quarantäne stellen. Hinzu kommt, dass China auch Vorerfahrungen im Bezug auf Sars und Vogelgrippe hatte und dadurch auch den Menschen bewusst war, dass sie sich schützen müssen.



Iran als Theokratie

Die Pandemie hat in Iran gezeigt, dass die Religion in solchen Fällen zweitrangig sein muss. Zumindest was die öffentliche Ausübung betrifft. Den ersten Fall meldete Iran am 20. Februar 2020 und war bis Mitte März einer der am stärksten betroffenen Länder. Als Grund für die starke Ausbreitung wird zum einen die schlechte medizinische Versorgung genannt und zum anderen wird der Regierung vorgeworfen, seit Februar 2020 die Pandemie zu verharmlosen und zu vertuschen. Obwohl es in Februar 2020 schon zwei Todesfälle gab, hat die iranische Regierung betont, dass kein Anlass zur Sorge bestehen würde. Mit diesem Anlass wurden auch trotz der Pandemie im ganzen Land Trauerzeremonien im Monat Muharrem gehalten.

Vier Tage später schloss man erst Büros und Geschäfte aber Moscheen blieben geöffnet für Feierlichkeiten. Bis August 2020 starben wohl über 91.000 Menschen an Corona.

Erst in März/April 2020 wurde ein Lockdown verhängt, die in Mai wieder gelockert wurde.





Saudi Arabien als Monarchie

Der erste Fall in Saudi Arabien trat am 02. März 2020 auf. Mitte April gab es schon eine Indezenz von 5000, die sich in Mitte Mail verzehnfachte. In Juni 2020 wurden die jährlichen Pilgerstätten Hajj und Umra abgesagt für alle aus dem Ausland Reisenden. Somit verzeichnete Saudi Arabien einen großen Verlust in ihrer zweitwichtigsten Einnahmequelle neben dem Öl. Daraus folgte, dass die Staatseinnahmen drastisch reduziert waren und das Königshaus deswegen die Steuern erhöhte.

Im Großen und Ganzen hat Saudi Arabien aber die Pandemie gut gemanagt, was die Eindämmung betrifft. Als der erste Fall bekannt wurde, riegelte Saudi Arabien die Stadt Qatif ab, wo der erste Fall verzeichnet wurde. Arabien handelte so schnell, weil sie den Vorteil hatte, dass die Pandemie sich von China aus über Iran und Syrien ausbreitete. Saudi Arabien konnte zum Einen den Ausbruch beobachten, um den Ernst der Lage zu verstehen und zum Anderen hatte Saudi Arabien Zeit, sich darauf vorzubereiten. Hinzu kommt, dass die Saudis Erfahrung mit Lungenerkrankungen wie Ebola und MERS hatten und so Seuchen managen konnten.

Nach dem ersten Todesfall folgte ein dreimonatiger Lockdown. Nach Ende dessen wurden aber die Heiligenstätte Mekka und die landesweiten Moscheen wieder eröffnet und zu Ramadan gab es wieder Lockerungen. Der internationale Betrieb blieb jedoch weiterhin geschlossen. Alsbald vervierfachte sich aber die Indezenz erneut. Trotzdem blieb die Todeszahl in Saudi Arabien aufgrund der Ausstattung der Krankenhäuser und den Erfahrungen mit Lungenerkrankungen gering.



Japan und Deutschland als repräsentative Demokratie

In Japan und Deutschland verlief die Pandemie ganz unterschiedlich von den Infektionszahlen und den den damit verbundenen Maßnahmen her. Als Japan am 22. Januar 2020 den ersten Fall verzeichnete, handelte es recht schnell. Sie empfahl Ende Februar die Absage aller Massenveranstaltungen, die Schulen zu schließen und forderte die Japaner dazu auf, zu Hause zu bleiben.

Japan setzte auch als einziges Land auf Cluster-Strategie, anstatt Massentests durchzuführen. Japan fokussierte sich darauf, Ansammlungen von Infektionen zu finden und identifizierte die Cluster, um gemeinsame Merkmale zu finden. Dies hatte auch Erfolg, als sie in Fitnessstudios, Pubs, Livemusik-Veranstaltungsorten etc. ausgemacht wurden. In April wurde dann aber dennoch aufgrund der hohen Zahlen der Notstand ausgerufen, die Ende Mai wieder aufgehoben wurde. Die BürgerInnen machten alles auf freiwilliger Basis mit. Die Regierung verhängte Einreiseverbote für Personen aus bestimmten Ländern mit hoher Infektionszahl und Reisende aus China, Südkorea und den Schengen-Raum wurden in eine vierzehntägige Quarantäne gestellt sowie von der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgeschlossen. Die Regierung stellte Mitte April 2020 zwei waschbare Masken für jedes Haushalt bereit und zahlte Hilfsfonds an die BürgerInnen.


In Deutschland dagegen gab es den ersten Fall am 27. Januar 2020 in Bayern. Trotz des schon ersten Todesfall am 08. März gab es nur erste Mini-Maßnahmen am 13. Februar. Flugreisende aus China durften ab sofort nach Kontakt mit Infizierten und Aufenthalten in Risikogebieten befragt werden. Am 10. März wurde die Absage aller öffentlichen und privaten Großveranstaltungen mit mehr als 10000 Personen 'empfohlen'. Erst am 13. März kündigten mehrere Bundesländer die Schließung von Schulen und Kitas an, nachdem am 11. März die WHO die Pandemie ausrief. Am 22. März dann gab es erste Kontaktbeschränkungen auf zwei Haushalte und Umstellung auf Homeoffice. Aber nicht mal ein Monat danach am 20. April 2020 gab es erste Lockerungen, wo teilweise Geschäfte wieder öffneten, z.B. Berlin, Sachsen, Brandenburg. Die Maskenpflicht dagegen trat in ganz Deutschland erst am 27. April inkraft und weitere Lockerungen kündigten sich am 30. April 2020 an.

Dadurch stiegen in September 2020 die Infektionszahlen auf eine Rekordhöhe von über 271.000. Trotzdem wurden weitere Lockerungen veranlasst, indem beispielsweise für Bundesligaspiele, wenn auch begrenzt, Zuschauer erlaubt wurden. Immerhin musste ja das Geld reinkommen, die man in den vergangenen Monaten eingebüßt hatte. Erst Ende September gab es erneut ''Teil-Lockdowns'', wo Kultur- und Gaststättenbetriebe schlossen, aber Schulen, Wirtschaft und Handeln öffnen durften.



Türkei und Südkorea als präsidentielle Demokratie

Südkorea schaffte es, dass die Infektionskurve schnell abflachte und hielt die Zahl relativ gering. Der erste Fall wurde in Südkorea am 20. Januar 2020 registriert. Und von da an zögerten die Südkoreaner nicht. Als Ende Februar die Zahl auf 900 stieg, gingen die Behörden streng vor und erstatten Strafanzeige bei nicht kooperierenden MitbürgerInnen. Nach dem ersten Todesfall am 23. Februar erließ die Regierung eine Warnstufe für Infektionskrankheiten und errichtete Kontrollzonen. Konzerte, Festivals und Sportveranstaltungen wurde abgesagt oder verschoben. Museen, Büchereien wurden geschlossen und Großunternehmen gingen ins Homeoffice.

Vor allem wurden aber in Südkorea auch symptomlose und milde Fälle erfasst, was ein sehr wichtiger Faktor für die Beantwortung der aufgestellten These am Anfang ist. Es wurden Massentests durchgeführt und fast alle Fälle konnten erfasst werden, wozu auch die bessere Digitalisierung in Südkorea beitrug. Infizierte wurden sofort isoliert und deren Kontakte wurden über Handy- und Bankdaten ausfindig gemacht und ebenfalls getestet. Jedoch gab es bei all diesen Maßnahmen eine Sache, die sehr wichtig ist. Das alles geschah wohl alles auf freiwilliger Basis. Die Bürgerinnen hätten scheinbar ihre Einverständnis gegeben.

Außerdem wurde eine Website erstellt, die Orte in Südkorea verzeichnete, an denen sich besonders viele Infizierte aufgehalten haben oder immer noch aufhalten. Dies konnte man dann im Internat abrufen auf der Seite Coronaita. Diese ganzen Maßnahmen trugen dazu bei, dass die Zahl der Infizierten in Südkorea relativ gering blieb.


In der Türkei war es zwar ähnlich aber die Infektionszahlen waren trotzdem sehr hoch im Vergleich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist die Türkei geographisch ein internationaler Knotenpunkt mit vielen Transitreisenden und auch Flugkurven. Der erste Fall wurde in der Türkei am 11. März verzeichnet, weshalb viele der Meinung waren, sie habe es vertuscht. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass die Türkei schon vor dem 11. März Maßnahmen ergriff und vorbereitet war. Sie installierte Thermalkameras an internationalen Flughäfen und misste bei Verdacht den Fiber der Reisenden. Schon am 12. März wurden die ersten Einschränkungen verkündet. Schulen, Veranstaltungen aller Art, Museen, Kinos usw. wurden geschlossen. Am ersten April folgten Sport und Ligen. Den türkischen Streitkräften TSK wurden die anstehenden Urlaube gestrichen als Schutzmaßnahme. Ein großes Plus hatte die Türkei bei zwei Maßnahmen. Zum einen hatte sie, sobald der erste Fall eintraf, mit der Produktion von Schutzausrüstung und Masken begonnen sowie den Kauf von antiviralen Medikamenten.